Werfener Hochthron mit Tennengebirgsüberschreitung

Königlich thront der Werfener Hochtrhon auf der Südspitze des Tennengebirges über Werfenweng und gegenüber vom königlichen großen Bruder, dem Hochkönig. Über einen steilen Hang gelangt man von der Elmaualm erst zur romantisch gelegenen Werfenerhütte am Fuße des Hochthron und dann über den Südgrat in angeregter Kraxelei, UIAA 2-3, auf den Gipfel. Der Südgrat windet sich dabei immer tiefer in das Bergmassiv hinein, sodass man den Gipfel erst kurz vor dem Ausstieg zu Gesicht bekommt. Über die Nordseite gelangt man in ebenso fordernder Kraxelei auf die endlos scheinende Mondlandschaft des Tennengebirges, die zu einer ausgedehnten Überschreitung einlädt.

Toureninfo
Region:Tennengebirge, Nördliche Kalkalpen, Salzburg
Start/Ziel:Parkplatz Wengerau
Niedrigster Punkt:972 hm
Höchster Punkt:2363 hm
Gesamtanstieg:~ 1700 hm
Dauer:8 h
Länge:~ 20 km
Schwierigkeit:Schwierige Bergtour mit Kletterstellen bis 3 UIAA
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Anreise

Auf der A10 nach Werfen bzw Pfarrwerfen abfahren. Dann weiter der Landstraße nach Werfenweng folgen. Nach Werfenweng auf den Sportplatzweg links einbiegen und rechts der Wengeraustraße bis zum Straßenende folgen, wo sich der große Parkplatz Wengerau befindet. Hier beginnen die Wanderwege.
47.475346, 13.269274

Aufi – erst auf die Alm und dann auf’n Berg

Heute steht uns eine lange Tour bevor. Die Wetterverhältnisse scheinen am späteren Nachmittag instabil zu werden, daher brechen wir entsprechend früh vom großen Wanderparkplatz in der Wengerau auf. Es ist frisch, die Gräser sind noch leicht nass vom Morgentau und die Luft ist kühl. Wie immer packe ich mich für die ersten Meter ein wie im Winter, um nach den ersten Metern festzustellen, dass mir jetzt eigentlich schon sehr warm geworden ist. Aber ich brauch das wohlig, warme Gefühl zu Beginn, sonst fällt es mir nur allzu schwer in der Früh loszukommen. So das war ein kleiner Stimmungsexkurs, nun geht es weiter mit der Tourenbeschreibung.

Die Herausforderung an der Tour auf den Hochthron ist die Aufstiegskraxelei über den Südgrat und die Abstiegskraxelei über die Nordseite. Sowohl im Aufstieg als auch im Abstieg erwartet uns die eine oder andere UIAA 2er Kraxelei und ein paar Stellen, die bereits in den 3. Schwierigkeitsgrad reichen. Für mich ist dieser Anstieg zu diesem Zeitpunkt das schwierigste was ich bisher in Angriff genommen habe und meine Nervosität an der einen oder anderen Stelle auch aus der Reserve gelockt hat. Gemeinsam mit der großartigen Unterstützung von meinem Liebsten – Michael – und einem Freund von uns beiden – Markus – der heute mit dabei ist, meistern wir die Tour bravourös.

Parkplatz Wengerau

Vom Parkplatz können wir bereits das heutige Gipfelziel erkennen. Unser Wanderweg beginnt hinter dem Wanderparkplatz bei den Wegweisern Wengerau. Hier ist die Elmaualm und auch bereits die Werfener Hütte angeschrieben.

Wegweiser Wengerau

Zu Beginn führt der Weg quer über die Wengaualm auf die Berge zu in Richtung Talschluss. Bei der ersten großen Weggabelung bleiben wir auf der Forststraße, wo auch links neben uns ein kleiner Bach verläuft. Bevor die Forststraße eine erste Linkskurve macht, beachten wir rechts eine Abzweigung auf einen Wanderweg. Dieser Wanderweg bringt uns den Waldhang hinauf bis auf die Elmaualm. Von hier an wird es auch sehr steil. Links neben uns verläuft weiterhin das kleine Bächlein.

Und los geht’s

Bei diesem Anstieg ist es dann auch soweit, die Kleider müssen von lang auf kurz gewechselt werden. Mittlerweile ist es nicht nur der steile Anstieg, der uns ins Schwitzen bringt, sondern auch die sommerlichen Temperaturen. Der Anstieg bis zur Elmaualm verlangt bereits einiges an Kondition ab, flach wird es aber bis zum Gipfel nicht mehr. Rechts von uns können wir auch immer wieder einen Blick auf die Ostflanke des Hochthron erhaschen.

Den Hochthron schon im Blick

Am Ende des Waldhangs kreuzen wir die Forststraße und steigen dann über Almwiesen auf. Wir kommen bei der Elmaualm Hütte vorbei. Hinter der Hütte queren wir noch einmal die Forststraße, um dahinter steil über den Wiesenhang weiter Richtung Werfener Hütte aufzusteigen.
47.481267, 13.2475
1:10

Willkommen auf der Alm
Geradewegs auf die Elmaualm Hütte zu

Der Weg mündet in den Südhang unterhalb der Werfener Hütte, den es nun sehr steil in engen Serpentinen bergauf geht. Wir arbeiten uns den steinigen Steig durch Latschen hinauf und kommen gut angestrengt bei der Hütte an. Die Hütte direkt am Fuße der Hochthroner Südrampe bietet eine tolle Aussicht auf den gegenüberliegenden Hochkönig und das Steinerne Meer.
47.488097, 13.242672
0:45

Aufstieg zur Werfener Hütte

Über den Südgrat auf den Hochthron

Über die Terrasse der Hütte gelangen wir auf einem schmalen Trampelpfad rechts hinauf zum Einstieg in die Kraxelei. Ein Schild beim Einstieg weist uns auf eine Kraxelei im Schwierigkeitsgrad 2-3 nach UIAA hin. Die Kraxelei wir für mich auf jeden Fall eine Herausforderung, aber da ich an diesem Berg schon länger einen Narren gefressen hatte, ist heute der Tag, wo ich da auch endlich ganz hinauf möchte.

Pfad zum Einstieg
Beginn der Kraxelei

Ein großer roter Pfeil markiert den Einstieg in die Wand. Den ersten Teil kraxeln wir in schrofigem Gelände hinauf. Die Kraxelei ist schön und leicht und wir kommen gut voran. Der erste Abschnitt führt in eine Rinne, wo nach einem kurzen Gehabschnitt auf Geröll auch schon die erste Schlüsselstelle (2-3) auf uns wartet. Hier muss man eine kleine Felswand hinauf. Je nach Können und Geschick kann man an der Stelle eine einfachere oder schwierigere Variante nehmen.

Die Rinne hinauf
Eine der Schlüsselstellen voraus

Ist die Stelle geschafft, kommen wir zu einem schönen Aussichtsfenster auf der rechten Seite mit Blick nach Osten. Vor uns befindet sich eine traumhafte Berg- und Hügelszenerie. Die Kraxeltour zieht sich dann jedoch weiter nach links und wird an der Stelle wieder etwas leichter. Nach diesem Aufschwung folgt eine kurze, für mich etwas unangenehme, Abkraxelstelle, um auf einen schmalen, abschüssigen Pfad zu kommen.

Aussichtsfenster
Und weiter die Rampe hinauf
Abschüssiger Pfad auf die Schlüsselstelle zu

Nach dem schmalen Pfad führt uns der Aufstiegsweg in eine schmale Rinne. Hier steht auch die Schlüsselstelle bevor. Bewerten würden wir die Stelle mit – 3 nach UIAA, wobei ein Seil angebracht, dass beim Überwinden der Schwierigkeiten ein wenig unterstützt. Ist die Stelle einmal geschafft, können sich meine Nerven endlich wieder beruhigen, denn bis zum Gipfel geht es nun ohne Schwierigkeiten dahin.

Schlüsselstelle mit rotem Seil
Michael nach der Schlüsselstelle

Es scheint endlos, wie sich der Aufstieg über Schrofengelände zum Gipfel bahnt. Immer weiter arbeiten wir un den steilen Hang hinauf. Das Gipfelkreuz offenbart sich erst auf den letzten Metern zum Ziel.

Ja, es liegt noch einiges vor uns
Eindeutiger Wegweiser – es geht hinauf
Ausblick genießen 🙂
Kurz vorm Gipfel noch ein ausgesetzte Stelle

Nach dem anspruchsvollen Aufstieg genießen wir das unglaubliche Rundum-Panorama das uns umgibt, mit Blick auf den mächtigen Hochkönig direkt vor uns. Dann folgt der noch anspruchsvollere Abstieg über die steile Nordflanke.
47.492417, 13.242972
1:45

Werfener Hochthron
Ein zufriednes Gesicht
Toller Gipfelblick

Und wieder runter vom Berg

Aufmerksam und konzentriert, beginnt gleich zu Beginn die Kraxelei über einige Stellen, die im Schwierigkeitsbereich 2-3 UIAA liegen. Hinunter sieht ja meiner Meinung nach alles etwas heftiger aus als bergau, aber wir schaffen auch diese Herausforderung bravourös. Spätestens nach der Schlüsselstelle ca. auf Mitte des Wegs, wo es in eine Rinne geht, wird der Abstieg deutlich leichter. Einzig auf den vielen losen Schutt sollte man in der Rinne besonders Acht geben, gerade, wenn sich mehr Personen auf dem Weg befinden.

Abstieg über Nordflanke
Michael in der Schlüsselstelle
Leichtes Gekraxel in der Rinne

Am Ende der Rinne zieht sich der Abstieg Richtung Norden und leitet am Fuße des Berges in ein Pfadlein über und bringt uns in die sogenannte Griesscharte.

Am Ende der Abstiegskraxelei
Griesscharte mit Blick auf Hochthron

Die Topo, die wir auf bergsteigen.com gefunden haben, ist unserer Meinung nach etwas trügerisch. Die Topo lässt die Kletterroute nämlich kürzer und einfacher aussehen als sie ist. Der Anstieg fordert jedenfalls eine gute Kondition, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Kraxelgeschick.

Tennengebirgsüberschreitung zur Tauernscharte

Der nächste Teil der Tennengebirgsüberschreitung führt von der Griesscharte in kürzester Zeit zur unbewirtschafteten Edelweißhütte beim Mittleren Streitmandl. Teils schrofig und begrünt, teils spitz und abgeschliffen zeigen sich die Felsformate dieses Gebirges. Zu diesem Zeitpunkt hat sich das Wolkenbild ein wenig verdichtet und der Himmel ist nicht mehr so strahlend blau wie zu Beginn. Für den späten Nachmittag hatten sie auch lokalen Regen und Gewitter angesagt. Nun scheint es früher als gedacht einzutrüben. Wir besprechen die Lage und überlegen die Überschreitung abzubrechen und durch die Griesscharte über die Hochtrhonleiter zurück zur Werfener Hütte abzusteigen. Entscheiden uns dann aber, weil wir mit Regensachen gut ausgerüstet sind, unsere geplante Tour über die Tauernscharte durchzuziehen.
47.50229, 13.244593
1:40

Weg zur Edelweißhütte
Mittleres Streitmandl

Schnellen Schrittes geht es vom Mittleren Streitmandl geradewegs weiter zum Hinteren Streitmandl.  Wir folgen dem ausgetretenen Trampelpfad und ziehen vorbei an Schafherden und tiefen Karstlöchern bis wir bei der Weggabelung beim Hinteren Streitmandl angekommen sind. Das Schild liegt etwas mitgenommen an Felsen angelehnt. Für uns geht es hier in Richtung Wengerscharte – Tauernscharte – Hackel-Hütte weiter.

Schafherde
Karstlöcher

Hügelauf und hügelab wandern wir auf dem Karstgestein über diese Mondlanschaft. Die Höhenmeter und Wanderkilometer, die sich bei dieser Überschreitung ansammeln, sind dabei nicht zu unterschätzen. Man weiß nie so genau was einem hinter dem nächsten erklommenen Hügel erwartet. Oft sind wir überrascht was für eine Weite sich dahinter befindet und eine Zeit lang scheint unser Ziel, die Tauernscharte, die hinter der Schartwand liegt, nicht näher zu kommen.

Weite Mondlandschaft
Hügelauf

Dazu verschlechterte sich die Wetterlage stetig und so gehen wir bei unserer Überschreitung fast schon in Laufmodus über. Der Weg führt uns immer weiter über Hügel, seitlich an Hügeln vorbei und zwischen Hügeln durch bis wir auf die Schartwand zukommen. Vor der Schartwand zweigen wir rechts ab und wandern am Fuße dieses Bergs leicht bergab in eine Wanne. Rechts von uns blicken wir auf den Eiskogel. Unser Weg führt jedoch links immer steiler werdend hinab. An dieser Stelle haben uns auch die Regenwolken eingeholt. Schnell werfen wir die Regensachen über, dann geht es auch schon weiter.

Auf die Schartwand zu

Kurz vor der Tauernscharte müssen wir nochmal ein paar Meter bergaufsteigen, dann haben wir die Scharte erreicht. Von nun an sind wir nur mehr im Abstieg.
47.494552, 13.294863
[ time]2:30[/time]

In schönen geschwungen Bahnen zieht sich das Steiglein aus der Scharte in Richtung Tal. Wir kommen an zwei imposanten Höhleneingängen vorbei. Schließlich erreichen wir Almwiesen und die Dr. Heinrich-Hackel-Hütte. Zu Regnen hat es mittlerweile wieder aufgehört.
47.484131, 13.289954
0:40

Von der Hütte gelangen wir über einen schönen Weg durch den Wald und zum Schluss über eine Wiese zurück an unseren Ausgangspunkt in der Wengerau.
0:40

In der Tauernscharte
Im Abstieg geht’s vorbei an Höhlen
Abstieg über Almwiesen

Ich kann nur sagen: Was für ein Abenteuer, was für ein lohnender Aufstieg, wo ab und zu das Herz ein bisschen schneller klopft.

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