Hochtourenluft schnuppern – Dachstein über Steiner Scharte und Westgrat

Krönung unseres Hochtourenkurswochenendes war natürlich die Besteigung des Hohen Dachsteins, und zwar bei absoluten Traumbedingungen. Für unseren Aufstieg hat sich Bergführer Patrick eine ganz besondere Variante einfallen lassen fernab vom Massentourismus – zumindest bis wir am Gipfel angekommen sind .

Toureninfo
Region:Dachsteinmassiv, Oberösterreich und Steiermark
Start/Ziel:Bergstation Hunerkogel
Niedrigster Punkt:2553 hm
Höchster Punkt:2995 hm
Gesamtanstieg:~ 570 hm
Dauer:3 h
Länge:7,5 km
Schwierigkeit:B, Gletscherüberquerung
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In Dreierseilschaft zur Steiner Scharte

Unsere Tour startet bei der Bergstation Hunerkogel.
47.46755, 13.626255

Von hier spazieren wir anfangs gemütlich den präparierten Weg bis zur Abzweigung, wo es links zur Seethalerhütte geht und rechts Richtung Simonyhütte. An dieser Linkskurve legen wir Gurt und Seil an. Da wir heute zu dritt sind, lassen wir ca. 10 Meter Seil zwischen uns. Steigeisen und Pickel können wir aufgrund der einfachen Schneebedingungen zu diesem Zeitpunkt noch weglassen.
0:10
47.476869, 13.612447

Nicht mehr viel vom Gletscher übrig

Los geht’s, die Seilschaft in der Reihenfolge Patrick, Viktoria und Michael setzt sich in Bewegung. Wir schreiten in nordwestlicher Richtung über den Hallstätter Gletscher, sodass wir relativ knapp an den Nordfelsen des Niederen Dachstein vorbeikommen.

Michael im Sonnenlicht am Hallstätter Gletscher
Vorbei an den Felswänden des Niederen Dachstein

Nach den Felswänden des Niederen Dachstein queren wir weiter das Schneefeld und behalten dabei unsere Richtung. Wir wandern die Felskette weiter, an einer Art Ausbuchtung vorbei, bis wir zwischen Niederer Dachstein und Hohes Kreuz auf den Einstieg über die Steiner Scharte stoßen. Der Steig ist nicht gekennzeichnet, jedoch sind die Drahtseilversicherungen gut erkennbar und so ist der Einstieg auch undschwierig zu finden. Der Steig ist leicht, Schwierigkeitsgrad AB, ein Klettersteigset ist für den erfahrenen Bergsteiger bei guten Bedingungen nicht erforderlich. An der Einstiegsstelle lösen wir uns von der Seilschaft und jeder kraxelt in seinem Tempo hinauf zur Scharte.
0:40
47.482264, 13.602936

Am Weg zur Steiner Scharte
Nach dem Lösen der Seilschaft heißt es das Seil ordentlich zu versorgen

Einsamkeit pur, außer uns ist an dem Tag hier niemand unterwegs. Der Fels ist auf der Ostseite wunderbar zu erklimmen. Auch auf der Westseite gibt es keine größeren Schwierigkeiten. Hier ist jedoch vermehrt auf lose Steine und Schotter zu achten.

Einstieg Steiner Scharte
Aufstieg in die Steiner Scharte von Osten
In der Steiner Scharte

Zügig kraxeln wir über die Scharte. Auf der Westseite zieht sich der Steig oben nach links. Unter uns die Spuren eines riesigen Felssturzes, wo noch Reste eines alten Weges Richtung Adamekhütte erkennbar sind. Dieser ist jedoch durch die Abrisse komplett vernichtet worden. Der Steig führt in eine leichte Wandquerung, Drahtseil und Trittstifte unterstützen diesen Abschnitt. Beim Übergang von der Wand auf den Gletscher ist ein größerer Schritt zu wagen, dann stehen wir wieder auf festem, weißem Untergrund. Uns gegenüber ragt der Mitterspitz empor.

Witterung verändert Wege – alter Wegweiser zur Adamekhütte
Die neuen Markierungen
Wandquerung hinunter zum Gletscher
Gegenüber der Mitterspitz

An dieser Stelle seilen wir uns wieder an, um den Gosaugletscher zu queren. Erst wandern wir in Richtung dem gegenüberliegenden Mitterspitz, dann geht es links hinauf bis wir auf den Westgrat des Hohen Dachstein stoßen. An der Felswand ist auch deutlich zu sehen, wie weit der Gletscher über die Jahre bereits zurückgegangen ist.

Der Einstieg in den Westgratklettersteig ist heute von unten eigentlich nicht mehr zu erkennen. Früher gab es laut Bergfürher Patrick eine Leiter, die den Übergang vom Gletscher in die Wand erleichtert hat. Heute kann man sich die beste Stelle zum Raufkraxeln nach eigenem Ermessen aussuchen. Wir sehen etwas weiter links der ausgetretenen Spur eine Schotterrampe, die in Fels übergeht und dann auf den Grat führt. Hier noch ein Stückchen weiter den Grat nach links bevor die Drahtseilversicherungen beginnen. Wir legen das Klettersteigset an und legen los. Der Klettersteig ist im leichten Schwierigkeitsgrad, B. Für geübte Bergsteiger ist ein Klettersteigset bei guten Bedingungen nicht unbedingt erforderlich. Die Absturzgefahr ist dennoch nicht zu unterschätzen.
0:40
47.473685, 13.601434

Vor der Schotterrampe, Blick auf Mitterspitz
Zwei, die den Anstieg genießen

Der Anstieg über den Westgrat ist überraschend ruhig, es begegnen uns nur einige wenige Bergsteiger. Zudem ist die Aussicht phänomenal. Um uns zeigen sich die Großglockner- und Großvenedigergruppe – Bergziele, die uns nach den beiden Kurstagen schon ein bisschen greifbarer scheinen. Auch der Hochkönig zeigt sich heute in seiner ganzen Pracht. Auf der anderen Seite sehen wir die Bischofsmütze hervorblitzen und den Gosausee unter der Sonne glitzern. Das rundum Panorama lässt wohl jedes Bergsteigerherz höherschlagen.

Die Berge liegen uns scheinbar zu Füßen

Vom Westgrat betrachten wir nochmal unseren Aufstiegsweg über den Gosauergletscher. Aus dieser Perspektive kann man ganz deutlich den Gletscherrückgang erkennen. Der abgeschliffene Stein, zeigt wie weit die Gletscherzunge früher gereicht hat.

Nicht mehr viel übrig vom Gosauer Gletscher, dahiner der Gosausee

Unschwierig und mit einigen rasanten Tiefblicken geht es diesen Genusssteig hinauf. In einer knappen Stunde haben wir dann das Gipfelkreuz des Hohen Dachstein erreicht. Ein schöner Moment auf dem höchsten Gipfel dieses Bergmassivs zu stehen. Eine Weitsicht vom Feinsten belohnt uns dabei. Am Gipfel angekommen, schaut nun auch der Grimming in seiner ganzen Pracht heraus. Vor ein paar Tagen durften wir das Gegenbild vom Grimminggifpel aus genießen.
0:45
47.473685, 13.601434

Schöne Tiefblicke
…denken sich auch die beiden
Am Gipfel

Es herrscht recht reges Treiben, Leute kommen und gehen. Auch wir machen uns nach einer kleinen Stärkung an den Abstieg. Als Abstiegsvariante wählen wir den Randkluftsteig, der uns zum Normalweg über den Gletscher bringt. Vom Randkluftsteig kann man alternativ auch auf den Schulteranstieg wechseln, um den Gletscherteil zu umgehen.

Abstieg über den Randkluftsteig, dahinter der Gletscher

Am Ende des Randkluftsteigs gibt es dankenswerter Weise bereits eine Seilkonstruktion, die den Spalt zwischen Berg und Gletscher, die sogenannte Randkluft, einfach überbrücken lässt. Bevor es auf den Gletscher geht, verbinden wir uns wieder mit dem Seil und ziehen diesmal unsere Steigeisen an. Der Normalweg ist steil, aber bereits gut gespurt und so stapfen wir den Hang hinunter. Wir ziehen beim Einstieg zum Schulteranstieg vorbei, direkt weiter zur Seethalerhütte. Die wunderbare und ganz neue Terrasse der Hütte lädt zum gemütlichen Verweilen ein und lockt mit guten Bergspeisen.
0:45
47.47358, 13.6125

Blick auf den Normalweg über den Gletscher

Den Weg zurück zur Gondelstation könnte man natürlich einfach auf dem präparierten Spazierweg zurücklegen (siehe GPX). Bergführer Patrick hat sich jedoch noch eine kleine Kraxeleinlage hinter der Seethalerhütte einfallen lassen, um uns noch ein paar Meter mehr den Gletscher hinunter zu schicken. Ein bisschen Spaß und vor allem Übung muss schon sein! Dann geht es zurück zur Gondelstation und ein wundervoller Bergtag neigt sich dem Ende.

Zwischendurch eine Klettereinheit

Hier kann man entweder die Gondel ins Tal nehmen oder noch über den Hunerschartenklettersteig bis zur Talstation absteigen.

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