Hochtor über Peternpfad und Dachlgrat

Die Besteigung des Hochtors über Peternpfad und Dachlgrat ist ein langersehnter Gipfeltraum von meinem Freund, den wir uns an diesem Wochenende endlich erfüllen konnten. Noch vor einem Jahr hätte ich mir dieses Abenteuer wohl nicht zuggetraut, aber nach den letzten Bergtouren auf den Admonter Reichenstein und den Salzburger Hochthron, war ich nun auch felsenfest überzeugt, dass ich bereit bin für diesen Gipfelanstieg.

Toureninfo
Region:Ennstaler Alpen, Gesäuse in der Steiermark
Start:Parkplatz Haindlkarhütte
Ziel:Parkplatz bei der Kummerbrücke
Niedrigster Punkt:574 hm
Höchster Punkt:2369 hm
Gesamtanstieg:~ 1800 hm
Dauer:9 h
Länge:~ 13 km
Schwierigkeit:Schwierige Bergtour mit Kletterstellen bis 2+
Achtung! Bei den GPX Daten zwischen Peternscharte und Gipfel (Rosskuppe und Dachlgrat)handelt es sich um ungefähre Anagaben
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Auch das Wetter sollte diesmal mitspielen, nachdem wir bei unserem ersten Anlauf die Tour gewitterbedingt leider verschieben mussten. Vor Abfahrt am Freitagnachmittag noch ein letzter Wettercheck: es wird ein freundlicher Samstagvormittag vorhergesagt, am frühen Nachmittag steigt jedoch die Gewitter- und Regenneigung. Laut unserer zeitlichen Kalkulation sollte sich das bei frühem Aufbruch ausgehen und wir wollten es auf jeden Fall versuchen. Also brechen wir von Wien auf, um noch am Freitagabend ins idyllische Haindlkar aufzusteigen. Dort übernachten wir in der Haindlkarhütte.
47.583636, 14.612251, Parkplatz
47.56709, 14.611983, Haindlkarhütte
1:00

Parkplatz Haindlkarhütte, hier geht’s los
Abendstimmung im Haindlkar
Alte Haindlkarhütte

Aufbruch Richtung Peternpfad

Am Samstagmorgen ist um 6 Uhr Tagwache. Wolken kreisen um diese Zeit noch um die Gesäusegipfel. Insgesamt sieht der Tagesanbruch aber sehr freundlich aus. Nach einem kräftigenden Bergsteigerfrühstück in der Haindlkarhütte, mit hausgemachten Marmeladen, ein Highlight für mich als Marmeladenliebhaber, brechen wir um kurz vor 7 Uhr auf.

Der Morgen liegt noch in der Luft
Aufbruchstimmung

Fröhlich stapfen wir also los, um die ersten hundert Höhenmeter bis zum Einstieg in den Peternpfad zu meistern. Auf einem Waldsteig geht es nur die ersten Meter relativ gerade dahin. Das muss reichen um wach zu werden, dann führt uns der Steig steil bergauf bis zum Eingang in die Peternpfadschlucht. Dieser Teil des Weges kann als einfach nur steil und von Witterung gezeichnet beschrieben werden. Ein Trampelpfad ist kaum sichtbar und so arbeitet man sich den Schutthang immer weiter hinauf. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei losen Felsbrocken und Steinen.

Steil bergauf die letzten Meter vor dem Einstieg
Nebelverhangenes Ennstal

Über den Peternpfad in die Peternscharte

Eine knappe Stunde waren wir von der Haindlkarhütte bis zum Einstieg in den Peterpfad beim Wasserloch unterwegs.
47.566026, 14.6277
1:00

Einstieg beim Wasserloch

Nun wird es ernst – es geht ans Klettern. Gleich zu Beginn heißt es steiles Schrofengelände hinauf zu kraxeln, um dann waagrecht und ausgesetzt die Wand bis in die Schlucht hinein zu queren. Vor uns bauen sich die imposanten Nordwände des Berges auf. Zugegebenermaßen begleitete mich bei diesem ersten Kraxelabschnitt, trotz der Schönheit des Weges, ein leicht zittriges Gefühl. Etwas ausgesetzt ist der Steig ja schon. Spätestens beim Erreichen der Schlucht ist das aber verflogen und ich genieße den weiteren Aufstieg bis in die Peternscharte.

Erste Kraxelmeter im Peternpfad
Wir kommen den Nordwänden näher

Angekommen in der Schlucht führt der Peternpfad nach links. Hier geht es zum Teil auf Gehgelände, zum Teil über Schrofengelände weiter. Es gilt Steilstufen im 1. – 2. Schwierigkeitsgrad zu klettern. Der Aufstiegsweg führt einen immer wieder an der Felskante vorbei. Das bietet unglaubliche Blicke ins Ennstal, wo sich an diesem Morgen der Nebel niedergelassen hat und für tolle Stimmung sorgt. Weiterklettern dürfen wir aber zum Glück in die andere Richtung, weg vom Abgrund. Hilfreich ist dabei die durchwegs gute Markierung in Form von roten Punkten.

Vor den imposanten Nordwänden
Gehpassage im Peternpfad
Schrofengelände bergauf
Manche Stellen auch etwas steiler

Langsam aber doch nähern wir uns dem berühmten „Ennstaler Schritt“. Bei fast jeder Kurve halten wir Ausschau, wann er denn wohl kommen mag. Schließlich stehen wir davor und ich überlege kurz, wie ich das am besten angehen könnte und lasse dann doch lieber Michael den Vortritt. Mit ein wenig Anweisung wage ich mich dann auch um den bauchigen Felsen herum.

Hm…wie meistern wir diesen Ennstaler Schritt?
Doch lieber Michael voraus
Ennstaler Schritt geschafft

Hat man die Schlüsselstelle geschafft, erreicht man nach kurzer schöner Kletterei die Peternscharte und damit unser erstes Etappenziel für heute.
47.569834, 14.634513
2:00

Peternscharte erreicht

Rosskuppe und Dachlgrat – Zwischen Sehnsucht Berg und großem Respekt

An dieser Stelle heißt es erstmal genießen. Dann aber ein kritischer Blick in den Himmel, wo die Wolken bereits etwas findserer um den Gipfel kreisen. Wir beratschlagen, ob wir nun den zweiten Teil des Aufstiegs über Rosskuppe und Dachlgrat angesichts der Wetterlage in Angriff nehmen sollten. Das Wetter und die vor uns liegenden Herausforderungen lassen mich ein wenig nervös werden, insbesondere die Schlüsselstellen über die Rosskuppe, die im Schwierigkeitsgrad 2+ liegen sollen, bereiten mir Bauchweh. Überzeugt von unserem Vorhaben bin ich dennoch. Wir beschließen den Aufstieg zu versuchen.

Blick aus der Peternscharte auf die gegenüberliegende Planspitze
Zu Fall gebrachter Wegweiser

Unser Weg führt rechts aus der Peternscharte heraus. Auch diese Route ist gut mit roten und orangen Punkten (orange dürfte die alte Markierung sein) markiert. Anfangs quert man den Hang mit nur wenigen Kraxelstellen bis zur Rosskuppe. Gleich am Fuße der Rosskuppe erwartet uns die erste Schlüsselstelle. Wir probieren es erst rechts, wo der Fels jedoch glatt und nass ist. Nach ein paar Versuchen entdecken wir weiter links stufenartige Risse im Felsen und entscheiden hier zu klettern. Auf die ersten Aufschwüngen am Fuße der Rosskuppe folgt ein Wanderabschnitt und im oberen Teil wieder Kraxelei rauf auf die Rosskuppe.

Am Fuße der Rosskuppe die erste Schlüsselstelle (meist nass)
Am Weg über die Rosskuppe

Nun heißt es aber auch von diesem Mugel irgendwie wieder hinunter zu kommen. Ich erwarte das schlimmste. Kuzrfristig bin ich auch der Meinung das das so ist, als ich das Stück unter mir sehe, das es abzuklettern gilt. Zum Glück zeigt es mir Michael wieder gut vor und passt bei den schwierigen Stellen genau auf meine Tritte auf. Ab und zu fühlt es sich unter einem schon recht luftig an.

Anspannung bei der Abkletterei
Huch, erleichterter Rückblick auf die Rosskuppe

Die Rosskuppe ist überwunden, ich bin erleichtert und stolz zu gleich, dass wir das geschafft haben. Der Bergenuss ist zurück und die Sorgen, die ich anfangs hatte, sind verflogen. Leichten Schrittes überschreiten wir das Dachl. Am Ende des Dachls wartet noch ein Felsvorsprung, über den wir drüber müssen, bevor wir einen Schuttpfad erreichen. Der Gipfel ist bereits in Sicht und scheint zum Greifen nahe.

Schwungvoll übers Dachl
Wild geschliffenes Dachl
Erst Dachl, dann Felsvorsprung,
dahinter erkennt man das Geröll mit Pfad zum finalen Gifpelaufschwung

Am Ende des Schuttpfads geht es wieder in felsiges Gelände. Kraxel- und Bandquerungsabschnitte wechseln einander ab. So schwer wie die Rosskuppe wird es aber nicht mehr. Einfach wunderschön haben wir es bei diesem Endspurt auf das Hochtor. Wir erlben tolle Blicke, in die Weite und die Tiefe. Besonders tief kommt einem der Blick an der Stelle des bekannten Kriechbands vor. Auf allen vieren und schön mit Bedacht krabbeln wir unter dem Felsbauch durch. Schwierig ist die Passage nicht, ein wenig komisch kommt einem die Fortbewegung auf allen Vieren jedoch vor.

Nach dem Geröll wieder in felsigem Gelände
Kriechband

Der letzte Teil in Richtung Gipfel windet sich den Felsen empor. Bald sehen wir das Gipfelkreuz einen Katzensprung entfernt vor uns, allerdings liegt dazwischen noch ein Graben.

So nah und doch noch etwas ferner

Ich frage mich wie es nun wohl weitergeht und es überrascht mich immer wieder wie die Wegführung auf einem Berg so verläuft. So geht es weg vom Graben, nach links, noch einmal rundherum, ein paar Meter hinunter, dann folgt der einfache Schlussaufschwung auf den Gipfel des Hochtors. Ein Gefühlsgemisch aus Freude, Zufriedenheit und Stolz, dass wir diesen Aufstieg gemeinsam gemeistert haben, macht sich bei mir breit. Zu diesem Zeitpunkt sind meine Momente des Unwohlseins schon wieder weit hinter mir und fast vergessen.
47.561817, 14.632625
2:00

Jap, das war der Aufstieg über Rosskuppe und Dachl
Ganz großes Gipfelglücksgefühl

Über den Josefinensteig zur Hesshütte

Die umliegenden Wolken zaubern eine mystische Gipfelstimmung. Allzu lange verweilen wir jedoch nicht, immerhin haben wir noch einen längeren Abstieg vor uns. Mit der Wettervorhersage möglicher Gewitter im Kopf und der Wolkenentwicklung vor Ort wollten wir einem Regenschauer im Felsgelände entkommen. Für unseren Abstiegsweg wählen wir den Josefinensteig. Ein schönangelegter, zum Teil versicherter Steig, der uns ostseitig zur Hesshütte führt.

Abstieg über den Josefinensteig
Am Weg Richtung Hesshütte

In der Hesshütte gönnen wir uns eine kleine, wärmende Stärkung. Nicht nur die Wolkendecke hat sich bereits dunkelschwarz gefärbt, auch ist es deutlich kühler geworden. Wir überlegen, ob wir noch länger verbleiben sollten, um den voraussichtlichen Regen abzuwarten, entscheiden uns dann aber weiterzugehen. Wer weiß wie lange der Regen anhalten wird, besser scheint es heute nicht mehr zu werden.
47.561263, 14.651964
1:00

Wasserfallweg mit Regenguss

Zurück ins Tal nehmen wir den Wasserfallweg Richtung Prakplatz bei der Kummerbrücke. Der Weg führt links von der Hesshütte über einen begrünten Hang ins Waldgelände. Nach dem Aufstieg über das schrofige Gelände, dürfen sich die Augen nun über saftiges Grün freuen.

Beginn des Abstiegs unter der Hesshütte

Kurz bevor der Steilhang mit den steilversichterten Leiternpassagen beginnt, holt uns dann der Regen ein. Aus ein paar leisen Anfangstropfen wurde ein kräftiger Regenschauer, der uns bis in Tal begleitete. Der Wasserfallweg ist durchwegs steil angelegt und bei Nässe gilt es mit großer Vorsicht abzusteigen. Sowohl der Boden als auch Steine und Leitern werden bei Nässe unangenhem rutschig. Trotz des Regens vergessen wir aber nicht den schönen Wasserfall im unteren Teil des Wegs zu bewundern, wie er schwungvoll über die Felskante herunterregnet.

Der Wasserfallweg durch steiles Waldgelände
Regenstimmung
Wasserfall

Noch ein Blick zurück auf die eindrucksvolle Wand, bevor unser Weg talnah im Wald verschwindet. Gegen 17 Uhr kommen wir am Parkplatz an. Ein großartiger und aufregender Bergtag liegt hinter uns und ich kanns immer noch nicht ganz glauben.
47.587341, 14.669709
2:00

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